So oder so ähnlich habe ich es gestern in einem Facebook Posting formuliert und dementsprechend möchte ich an dieser Stelle ein wichtiges Statement abgeben, denn die von mir eher ungeschickt formulierte Fragestellung sollte eher heißen: Brauche ich noch Techno am See?…

Ich wurde erst vor kurzem gefragt was für eine Art von Event ich im Moment am liebsten machen würde und ich musste ehrlicherweise feststellen, dass meine ersten Gedanken dazu wenig mit Techno zu tun hatten. Es ging eher in die Richtung Deep House, House und Disco. Ihr dürft mich hierbei absolut nicht falsch verstehen, denn ich liebe Techno und genau deshalb bin ich auch zu einem großen Kritiker von dem geworden, was aus dem Thema gemacht wurde. Das Titelbild des Artikels spricht genau für den ursprünglichen Spirit, wo es einfach nur darum ging eine schöne Zeit zu erleben. Dieses Gefühl von Freiheit, Gleichheit und nach uns die Sintflut…


JETZT TECHNO AM SEE LIKEN UM NICHTS ZU VERPASSEN!

Blickt man heute auf die Szene, dann sieht man, dass der Techno wieder gänzlich kommerzialisiert und massentauglich gemacht wurde. Gespielt werden fast nur noch Beatport Charts und anstatt den regionalen/nationalen DJ-Markt zu fördern, batteln sich die diversen Veranstalter um die Gunst der Besucher, indem astronomische Gagen an sogenannte DJ-Influencer und Beatport Stars gezahlt werden. Das ganze Genre wird dadurch wieder sowas von uninteressant und überleben werden sowieso nur jene, die von Anfang an den nötigen Weitblick und Mut zu einem nachhaltigen Programm gezeigt haben. Ich bin zwar schon davon überzeugt, dass Kärnten sein Techno am See braucht, alleine schon als Gegenkultur zu dem eben genannten Wahnsinn, aber ich bin nicht davon überzeugt, dass Kärnten weiterhin einen Kristof Grandits braucht! Seit 2015 habe ich an vorderster Front für eine Sache gekämpft und es ging nur sehr mühsam, Stück für Stück, voran. Es wurde nicht nur eine Community aufgebaut, sondern eine ganze Szene die ich gerne als Techno Familie bezeichne.

Ich habe viel Zeit, aber auch Geld in den blauen Pixelanker investiert und zuletzt sogar meine Existenz davon abhängig gemacht. Am Ende musste ich dann irgendwann feststellen, dass ich zu sehr für eine Idee lebe, als für mich selbst.

In erster Linie war es nie mein Ziel Veranstalter zu sein, sondern immer nur Künstler. Mit der Zeit bin ich dann so reingerutscht, weil ich durch mein Wesen immer schon Schwierigkeiten hatte an Bookings zu kommen. Statt dazuzugehören habe ich mir meine eigene Welt erschaffen und konnte hier auch meine persönliche Vision verwirklichen. Im Kern ging es nur ums Auflegen und als wesentlichster Punkt ist genau DAS zu kurz gekommen. Gastroeinkauf hier, Personalanmeldung da, Buchhaltung, Bühnenbau, Sponsorengespräche und so weiter…

Auch bitte hier nicht falsch verstehen: “Ich liebe es Veranstaltungen umzusetzen, aber ich hasse es, wenn ich bei meinem eigenen Event absolut keinen Kopf für mein wohlverdientes DJ Set habe…”

Genau aus diesen, aber auch anderen Gründen, habe ich schon seit längerem beschlossen wieder weg zu gehen aus Kärnten. Das bedeutet nicht automatisch das Ende von Techno am See, sondern nur, das ich bewusst entschieden habe, meine eigene Lebensqualität zu verbessern. Meine Arbeit hier gilt als getan und ich hoffe ihr versteht auch meine Gedanken dazu. So sehr ich die wunderbare Berglandschaft mit den Tälern und den Seen auch mag, so sehr mag ich auch das Stadtleben mit all seinen Facetten. Kärnten bedeutet für mich Stillstand und ich vermisse die Bewegung. Am meisten fehlt mir die Offenheit der Stadt und die zwischenmenschliche Bereicherung. Es mag zwar hart klingen, aber in Spittal an der Drau findet man derlei wirklich selten…

In diesem Sinne seid mir bitte nicht böse wenn ich ein paar Worte ungeschickt formuliert habe, ich war es und werde es immer sein, euer Kapitän von Techno am See <3

BLOG.TECHNOAMSEE.AT – Geschichten, News & Infos rund um unsere Veranstaltungen…

Autor: Kristof Grandits
Bildmaterial: ©Techno am See (Aufbau und Evolution über die Jahre)
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