Also ich persönlich finde den Villacher Kirchtag mindestens so schlimm, wie die Kärnten Werbung und fast so schlimm wie Velden. Das Ganze Bundesland im Ausnahmezustand wegen “Österreichs größtem Brauchtumsfest mit Tradition”, so zumindest die Selbstbetitelung laut Veranstalter. Brauchtum und Tradition sind für eine Kultur und deren Erhalt mindestens so wichtig, wie der Fortbestand der Menschheit. Aber gehts hierbei wirklich um ebensolches oder sind es einfach nur die Eurozeichen in den Augen vieler Beteiligter? Wieviel Brauchtum steckt da wirklich darin, wenn zwischen Lebkuchenstandl und Takata die Alkohlleichen in ihrer eigenen Kotze liegen, bis irgendwer schaut, das ebensolche schnell von der Bildfläche verschwinden. So etwas nennt man dann ein Sicherheitskonzept und in den Medien liest man dann Schlüsselwörter wie “ruhig, gesittet und alles happy peppi”. Das zum Beispiel Villacher Bier ein Monopol auf den kompletten Bierausschank hat, lässt auch gar nicht vermuten, dass es bei diesem Brauchtumsfest ums betrinken gehen könnte. Am witzigsten finde ich hierbei jene Wirte, die dann einfach darauf scheissen und ein Konkurrenzbier im Villacher Plastikbecher verkaufen…

IRGEND SO EIN FOTO VON DER FÊTE BLANCHE – IST JA QUASI EH DAS SELBE BIS AUF DEN DRESSCODE!

Aber zurück zum Anfang. Der Titel des Artikels lautet: Ich war NICHT am Villacher Kirchtag! Stimmt nicht so ganz, denn ich war schon am Montag vor Ort um einem befreundeten Standler Getränke zu liefern. Dieser ganze Vibe rund um den Aufbau wirkte auf mich gänzlich negativ. Viele waren extrem gestresst und aggresiv, man stand sich nur im Weg und man konnte förmlich riechen, dass hier niemand so wirklich Bock hatte. Am Ende sind es aber dann doch die Einnahmen, die dann alles wieder wett machen. Das muss man sich als Außenstehender dann quasi so vorstellen: An erster Stelle steht der Kirchtagsverein. Das sind die mit den ganz großen Eurozeichen in den Augen. Hier zahlt man dann zum Beispiel für einen drei Meter breiten Gastrostand 8000€ Standgebühr und darf sich dann in weiterer Folge mit der KELAG ärgern, die einem für 200€ einen Stromanschluss legt, welches dann wiederum eine private Elektrikerfirma aus Villach um weitere 300€ verlängern musste (für das Legen und zusammenstecken der Kabel, was man selbst aus Sicherheitsgründen nicht machen darf).

Die Geldmaschinerie läuft,- und ungefähr so rennt es dann auch im kleineren Rahmen zwischen den einzelnen Wirten. Wer nach einem kollektiven Miteinander sucht, der wird sich bis auf kleine Gruppierungen schwer tun, denn hier gilt das Motto der Stärkere macht den besten Umsatz. Dies äußert sich dann dadurch, dass zwei Bars mittels Musikanlage um die Gunst der Besucher “batteln”. Links “Helene” und rechts “Ab in den Süden”, und die Box wird immer mehr in Richtung Nachbar gedreht, während die gespielte Lautstärke irgendwann dafür sorgt, dass sich der beste Verstärker im Rauchdelirium verabschiedet. Sollte sich der werte Herr Nachbar dann auch noch trauen nur eine Sekunde über die Sperrstundenverordnung hinauszuspielen, dann geht alsgleich ein Anruf bei der Polizei ein, um sich dadurch vielleicht einen Wettbewerbsvorteil für den nächsten Tag zu verschaffen….

DIE HASN UND ICH BEIM MUSI SPIELT OPEN AIR
NOCHMALS VIELE MENSCHEN AUF EINEM BILD

Ich habe mit einigen Leuten über das Thema Kirchtag gesprochen, und ich bekam vermehrt die Antwort, dass es ein Pflichttermin ist, weil einfach irgendwie jeder hingeht. Dass es sich außerdem um ein riesengroßes Saufgelage handelt, wurde mir ebenfalls gesagt,- egal was man so in den Zeitungen liest. Die Berichterstattung ist übrigens ein sehr interessantes Thema bei größeren Veranstaltungen. Die namhaften Journalisten werden alle persönlich eingeladen und dürfen sich dann im VIP Zelt bei Freigetränken und einem Haubenbuffet laben. Logischerweise bekommt man in diesem Ambiente nichts von den Abgründen da draussen mit. Dies dürfte wohl jedem klar sein, ich stelle mal so in den Raum, dass man sich ein gewisses Stillschweigen durch die Bauchpinseleien erkauft und auch die Inserate spülen viele Einnahmen in die Kassa, weshalb die Berichte dementsprechend positiv ausfallen. Ergo,- die Geldmaschinerie läuft, und das wird sie noch viele, viele Jahre. Wenn ich die Leute nach der Nachhaltigkeit ihres Besuchs frage, bekomme ich ständig zu hören, es gäbe hier sehr wohl ein paar Plätze wofür sich der Besuch lohnt. Für manche ist es der Vergnügunspark, denn sowas haben wir ja eigentlich nicht in Kärnten. Für das verliebte Paar aus Hintertupfing ist es das Standl mit den besonders liebevoll verzierten Lebkuchenherzen. Für andere wiederum der Kulturhofkeller, bei dem alternativ-elektronische Musikfans auf ihre Kosten kommen. Danke Ali! Aber wirklich was mitnehmen tut keiner von diesem Kirchtag. Vergnügunsparks gibt es wie gesagt keine, also wäre das schon ein gutes Argument für den Kirchtag. Lebkuchenherzen werden mit der Zeit hart wie Stein und meistens halten die Beziehungen gar nicht bis zum nächsten Kirchtag, weshalb der verliebte “Standlselfie” mit dem neuen Herzblatt geschossen wird. Ja,- und alternativ-elektronische Veranstaltungen gibt es sowieso das ganze Jahr, nicht nur während des Kirchtagswochenendes. So gerne ich auch nachhaltig den Blick auf das Dirndldekolleté zelebriere, ist es mir einfach zu wenig, dass ich mein Geld dort liegen lassen möchte.

Auch die Preispolitik ist zum Teil eine Frechheit, denn was wird hier wirklich geboten? Es ist lediglich ein Massenevent, bei welchem man sich, wie an so vielen anderen Tagen,  sinnlos wegsprengt. Egal ob mit dem Partner, der Clique oder als Single. Sollte mir irgend jemand an dieser Stelle widersprechen, mein Wort darauf, dass ich einen Artikel über das Thema: “Ich war stocknüchtern am Villacher Kirchtag und es war total gesittet sowie nachhaltig.” schreibe.

UND EIN LETZTES MAL VIELE MENSCHEN DIE WAHRSCHEINLICH AUF DEN PAPST WARTEN.

Noch ein Beispiel: Auch wenn ich nicht direkt am Kirchtag war, habe ich am Donnerstag im “Herr Vincent” aufgelegt. Da bekommt man schon so einiges mit. Was ich wieder mal ganz klassisch zum Kotzen fand, war das Magistrat Villach. Es kamen dort 3 Personen mit einem Messgerät angedackelt und dann wurde die Lautstärke gemessen… Das Lustige hierbei ist, dass nur 60 Dezibel erlaubt sind. Der “Lärm” den die Gäste im Garten durch das Reden erzeugt haben, war aber schon darüber. Gemessen wurde im besagten Gastgarten, doch die Anlage befand sich in einem geschlossenen Raum, etwa 20 Meter vom Messpunkt entfernt. Eine Verwarnung wurde unverzüglich im mitgebrachten Aktenordner notiert! Was ich als Beobachter natürlich ganz toll finde, abgesehen davon das diese Damen und Herren absolut keine Ahnung von einer amtlich verwertbaren Messung haben. Und das Beste: Gerade mal einen Steinwurf entfernt, nagelt die Ö3-Disco ihre Hits auf 110 Dezibel hinaus.  Alles kein Problem. Sowas ist dann dementsprechend geschäftsschädigend für das versteckte Café,  welches über die Tage hinweg wirklich sehr bemüht war, ein einzigartiges Programm auf die Beine zu stellen. Ganz frei nach dem Motto: “Tradition trifft Moderne”.  Mit Fm4 DJs und Julian und der Fux wurden hier wirklich keine Kosten und Mühen gescheut, man musste ledglich einen geringen Unkostenbeitrag am Eingang ablegen, wofür jetzt auch eine Vergügungstseuernachzahlung von 25% ins Haus flattern wird. Gratulation Villach!

Am Ende würde mich noch wirklich brennend interessieren was eigentlich mit den Einnahmen vom Kirchtagsverein passiert. Würde ich an dieser Stelle mit einer Recherche starten, brächte mich dieser Artikel mit Sicherheit direkt in einen Rechtsstreit aufgrund von Ehrenbeleidigung oder was es sonst noch alles gibt. Ich habe mir ein paar Optionen ausgedacht wie “Dicht ins Dunkel” oder “Kärntner ohne Brot” aber lassen wir es einfach mal so stehen…

“Zusammenfassend bleibt noch zu sagen, dass es sich hier um eine Geldmaschinerie handelt, welche sich unter dem Deckmantel des Brauchtums und der Traditionen versteckt. Zwischen den einzelnen Wirten herrscht ein erbarmungsloser Konkurrenzkampf, nur verständlich bei diesen hohen finanziellen Verpflichtungen. Wer als Besucher seine Nachhaltigkeit sucht, wird diese auch finden, doch meistens handelt es sich hierbei nur um Dinge, die nicht kirchtagsexklusiv sind.”

Soll doch jeder für sich selbst entscheiden ob dieser Event einen Besuch wert ist! Vielleicht stehe ich ja 2017 selber im VIP Zelt bei den ganzen Medienvertretern, aber ich tippe wohl eher auf ein lebenslanges Kirchtagsverbot für den Grandits…

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