Seit ich alt genug bin um fortzugehen gabs schon Halloweenpartys und ich kann mich noch gut daran erinnern wie dieser amerikanische Trend immer mehr zum Hype wurde. Die deutschen Privatsender haben das ganze Thema zusätzlich gepusht und das Horrorgenre feierte förmlich eine Revolution. Noch lange vor “Netflix & Chill” verabredete man sich zum gruseligen Filmabend, wonach es nach Popcorn aus der Mikrowelle, Gummibärchen und Sex roch. Auch das Fortgehen am 31. Oktober wurde immer mehr zum Pflichttermin und es gibts ja nichts Lustigeres als seine sadistischen Vorlieben via Gruseloutfit zu outen. Ok ich steh dazu, dass ich solchen Trends wenig abgewinnen kann und meine Meinung zum Fasching ist so ziemlich dieselbe. Ich brauch keine nach Plastik stinkende Maske vorm Gesicht damit ich mich mal wieder ordentlich ins Delirium sprengen kann und Faschingssitzungen würde man nüchtern gar nicht aushalten.

Halloween war ursprünglich ein heidnisches Totenfest und wurde später von der Kirche als Gedenken an die Verstorbenen zelebriert. Später haben irischen Migranten den Brauchtum nach Amerika gebracht, bevor er in den 90ern zu uns zurückkam. Erst in unserer kapitalistischen Gesellschaft wurde das Ganze zu einem mächtigen Wirtschaftsfaktor, bei dem möglichst jeder Profit machen möchte. Alles in allem ein riesengroßer Wettbewerb um das meistverkaufte Horroroutfit, Süßwaren, Filme, Serien und auch die Redaktionen bei den diversen Medien schreiben möglichst viel über den Killer-Clown-Trend um sicherzustellen, dass auch wirklich ein paar Idioten mitmachen. Am Besten find ich dann noch die sogenannten Facebook Werbeexperten die dann gefühlte 1000 Seiten zu dem Thema erstellen um ja viele Likes zu sammeln. “Spotted: Social Media Vollpfosten!” Im Gegenzug dazu wird man dann mit Produktwerbung und Veranstaltungseinladungen zugemüllt. Natürlich ganz im Sinne des Ursprungs dieser Feierlichkeit…


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Apropos Veranstaltungseinladungen: Letztes Jahr hab ich selbst noch eine Veranstaltung zu Halloween gemacht, da mir der Termin wichtig schien. Heute denke ich da komplett anders, weil mich die Erfahrung gelehrt hat, dass hier das Wesentliche komplett verloren geht: Eine gepflegte  Musikkultur! Der ganze Druck rund um dieses jährliche Spektakel zerstört den kompletten Spirit der Veranstaltung. Man kann nicht in ein Musikthema gleiten, wenn man schon im Vorfeld zu sehr mit dem perfekten Outfit beschäftigt war. Außerdem wird man sich gerade an solchen Terminen unter vielen Mitläufern wiederfinden, weshalb es unmöglich ist, in den Abend zu tauchen. Hierfür braucht es zumindest einen gewissen Anteil an Gleichgesinnten und keine fünf Harley Quinns die sich zufällig auf diese Party verirrt haben und eher einen Bezug zur Bar als zur Musik haben. Grundsätzlich spricht ja nichts gegen neue Besucher, die sich musikalisch weiterentwickeln wollen und offen für Neues sind. Aber ob es sich gerade an Halloween um jene handelt?…

Man muss nicht jedem Trend folgen und ich denke, dass ein alternativ-elektronisches Thema durchaus auf solche Termine verzichten kann. Es wird ja eh an jeder Ecke um die Besucher gebuhlt und das Angebot ist gänzlich übersättigt. Um mich nicht falsch zu verstehen, bei einem laufenden Clubbetrieb wäre es wirklich nicht sinnvoll an dem Tag zuzusperren – da versteh ich es ja noch! Was ich nicht verstehe ist ein Event bei dem Halloween einfach so zwei Tage vorverlegt wird und das Line Up aus irgendwelchen Local Djs besteht. Der Erfolg muss ihnen aber Recht geben, auch wenn die Musikpampe dieselbe wie immer ist und auch der Kopfwehspritzer hat wieder Hochsaison. “…aber aus der EDM Kultur werd ich sowieso nicht mehr schlau und für so einen Kindergeburtstag bin ich einfach zu alt…”

Am Ende sollte sich jeder seine eigene Meinung bilden. Es spricht nichts dagegen sich in ein Kostüm zu werfen und ein wenig Spaß zu haben. Mir persönlich geht hier einfach der Spirit verloren, wenn ich an mein bevorzugtes Musikthema denke. Mit Sicherheit transportiert ein kommerzielles Mottoclubbing in einer Messehalle genau die richtige Energie für den Besucher und über die Nachhaltigkeit lässt sich ja bekanntlich streiten. Mir geht es lediglich darum von einem wirtschaflich motivierten Trend abzuspringen und das auch offen anzusprechen, da ich von vielen Seiten gefragt wurde, warum es heuer keine Fortsetzung mehr gibt.

Ich wünsche allen ein schaurig erfolgreiches Halloweenfest und wir sehen uns dann in alter Frische am 19. November bei unserer Spendensammelaktion. Folgend findet ihr noch einen DJ Mix von Techno zu Halloween zum Nachhören. Die Credits gehen hierbei an den großartigen Thormann. Love, Peace &… ihr wisst schon! Kristof

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Autor: Kristof Grandits | Bildmaterial: © Techno am See 2015