Techno am See feiert im Juli seinen dritten Geburstag und deshalb habe ich mir einmal die Frage gestellt, was vom Kärntner Techno Hype übrig geblieben ist. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich damals im Klauberpark den ersten Event Online gestellt habe. Zu dem Zeitpunkt war das Interesse am Techno relativ bescheiden, obwohl es einige aktiv bemühte Inititiaven & Künstler gab. Von einem Genre-Revival war man aber mehr als weit entfernt und ich hatte wohl einfach das große Glück, mit der richtigen Idee zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein…

Ok – klingt jetzt fast, so als hätte ich das Rad neu erfunden. Natürlich war dem nicht so. Neben der überschaubaren Kärntner Szene strömten in Wien bereits tausende Besucher zu Freiluftformaten wie Tanz durch den Tag, Kein Sonntag ohne Techno oder Techno Sonntag. 2015 gingen die Open Airs in der Hauptstadt dann entgültig durch die Decke, wie zum Beispiel Spontan Techno. Die Idee dahinter war so simpel wie genial: Man nehme eine Grünfläche im Freien, am besten am Wasser gelegen. Ein paar Deejays waren schnell motiviert, Anlage ans Netz und schon war das tanzbare Tagesprogramm perfekt!


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Durch diese Eindrücke beflügelt ist dann  die Idee um Techno am See entstanden und rückwirkend ist es wirklich spannend zu erwähnen, dass es bei der Erstellung des Events weder einen konkreten Plan, geschweige denn eine Location gab. Erst durch die mehr als 2500 Zusagen konnten wir die Genehmigung und das Strandbad bekommen. Erinnert ein wenig an die ewige Frage nach dem Hunhn oder dem Ei und ob es ohne Hype überhaupt ein Event in dieser Form gegeben hätte. Ist im Grunde auch egal, denn der Techno war zurück in Kärnten! 1000 Besucher am See, ein volles G2 und auch die secret Aftershow war restlos ausverkauft.

Aber ein Hype bringt nicht nur seine Vorzüge mit sich, auch das Ende ist damit vorprogrammiert. Einmal losgetreten könnte man das Ganze mit einer Welle vergleichen, die sich meterhoch aufbaut, bevor sie dann irgendwann bricht. Dann gilt es behutsam zu sein und auf dieser Welle so lange wie möglich zu reiten. Denn: Ein Facebook Event mit tausenden Zusagen ist nicht mehr als eine Blase, denn die wahre Herausforderung beginnt dann bei der Umsetzung. Gerade im Open Air Bereich galt Kärnten als extrem konservativ und neben den behördlichen Hürden galt es auch das Thema nachhaltig auf Kurs zu bringen. Für mich war es der Beginn eines Lernprozesses, den ich auch gerne als Pionierarbeit bezeichne.

So schön das alles klingt, so hart war auch meine knallharte Landung am Boden der Realität! Das große Feuerwerk ist inzwischen längst verraucht, während jede Idee kopiert wurde (House am See, Rave the… Shake on… Save… ihr wisst schon). Weitere Techno Formate sind wie die Schwammerln aus dem Boden geschossen, wo sich auch das ein oder andere Unkraut dazugesellt hat. Auch der Deejay Nachwuchs hat die Techno Charts auf Beatport plötzlich für sich entdeckt. Wer an dieser Stelle noch immer glaubt, er könnte auf dieser Welle mitschwimmen, dem rate ich, sich eher Drum & Bass, Hardstyle oder GOA zu widmen. Die aktuelle Technolandschaft hat zum Teil nichts mit dem von mir angestrebten Lifestyle zu tun. Einzigartige Locations in Kombination mit einer hochwertigen Soundanlage und dem Besten was die nationale Szene zu bieten hat.

Liebe Kollegen und Kolleginnen, ich will euch wirklich nicht ALLE in einen Topf werfen und mein größter Respekt geht an dieser Stelle gerade an jene, die das Thema schon länger als ich verkörpern. Wir haben einige hochwertige Formate in Kärnten, die ihren ganz eigenen Stil repräsentieren. Ich möchte lediglich die Kehrseite der Medaille beleuchten und über schwarze Schafe reden, die der Szene mehr Schaden als Nutzen bringen. Einfach mal auf leiwand einen auf Veranstalter wegen der eigenen Spielgeilheit zu machen, bringt der Szene absolut nichts. Das gilt ebenso für halbherzig umgesetzte Technofloors bei der ein oder anderen Veranstaltung und noch schlimmer sind dann kommerzielle Großraumdiskotheken die das Thema ohne Seele aufgreifen.

Techno ≠ Techno und der angerichtete Schaden muss von uns ALLEN mitgetragen werden. In erster Linie geht es gerade in den alternativen Musikrichtungen um einen Kulturauftrag. Weiters auch um die Positivdarstellung der Techno Gemeinde in der Öffentlichkeit. Erst letztes Jahr gab es in Klagenfurt eine Unterschriftenaktion von 150 Anrainern gegen Techno. Wundert mich auch nicht, wenn der Veranstalter keinen Tau von irgendwas hat und auch jedes gängige Klischee erfüllt. Musik zu laut, schlechter Sound, katastrophale Gastro und auch die Flyer macht jeder 10 jährige Hauptschüler besser. Dass auch die Besucher ausbleiben, muss ich dann wohl nicht mehr dazusagen oder?…

Mein persönliches Resumee lautet somit, dass der Hype definitv vorbei ist. Techno wird wieder zum Daily Business und um zu bestehen, muss man sich kreative Lockangebote einfallen lassen. Wir stehen quasi wieder beim Status Quo vor dem Hype. Mäßig gefüllte Locations bei immer gleichem Line Up. Da schläft mir schon beim Schreiben das Gesicht ein. War es nicht genau dieser Zustand der den Zündstoff für den Hype geliefert hat?

Es liegt nicht in meiner Natur an etwas festzuhalten, das vielleicht schon bald sein Ablaufdatum erreicht hat! Bitte versteht mich nicht falsch: ich will niemandem die Schuld für etwas geben, woran auch ich meinen Anteil zu verantworten habe. Ob das von Rudi Wrany so liebevoll betitelte Gallische Dorf noch länger durchhält steht somit in den Sternen. Für mich bietet sich zumindest alternativ der nächste Hype um das Einhorn Drau Rafting an. Wär doch auch irgendwie witzig…

Zuletzt sei noch gesagt, dass ich es gut finde wenn immer mehr internationale Technoartists nach Österreich kommen. Dieser Schritt wäre auch mein größter Wunsch für Techno am See gewesen, zumal es sich vom Jetzt Status einfach nicht ausgeht. Neben Kirchtagen, Krampusläufen und diversen EDM Veranstaltungen sind bei uns aktuell andere alternative Themen gefragt, weshalb Kärnten nicht das Potenzial für eine sichere Risikodeckung hat.

Weiters gilt es auch anzumerken, dass die Technogagen zum Teil eine Frechheit sind, während Top 10 Beatport Artists aus dem Jump Up vergleichsweise günstig zu buchen sind (was sich mittlerweile auch schon geändert hat).

Bitte liebe Kollegen überteibt es nur nicht mit den internationalen Bookings. Irgendwann wirds dann auch langweilig und als Ergebnis haben gerade die kleineren Formate darunter zu leiden, bevor das ganze Thema den Bach runtergeht. Alles was dann übrigbleibt, sind ehemalige Deejays, die den Samstag Abend vorm Fernseher verbringen und in Erinnerungen an die guten alten Zeiten schwelgen…

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Autor: Kristof Grandits
Bildmaterial: © Manuel Marktl & Techno am See