Ich denke die Überraschung dürfte nicht allzu groß sein, nachdem ich in meinem letzten Artikel bereits das drohende Ende angekündigt habe. Inzwischen habe ich meine Entscheidung gefällt und Techno im Keller ist nun Geschichte!

Aber warum gab es das Format eigentlich? Die Frage ist recht schnell und einfach beantwortet. Der Techno erlebte 2015 ein großes Comeback in Kärnten und nach dem ersten Open Air am See und einem Folgetermin am Goldeck war genug Nachfrage da, um auch ein Indoorformat zu etablieren. Die Szene war gerade erst am entstehen und außerhalb meines Dunstkreises gab es so gut wie keinen Techno. Zumindest nicht in Oberkärnten. Techno im Keller war somit ein logischer Schritt und der ständige Drang zum Machen hat dann sein übriges dazu beigtragen. Das damalige Motto “Weil es ghert anfoch vül mehr gmocht” ist auch im Nachhinein ziemlich Aussagekräftig für den vorherrschenden Heißhunger. Somit fand der Kellerrave nach seinem 1. Testlauf im K&K auch seine 4 Fortsetzungen im Schloss Porcia.


JETZT TECHNO AM SEE LIKEN UM NICHTS ZU VERPASSEN!

Gerade beim Ersten Termin im Ortenburgerkeller war ich richtig stolz darauf, dass ich als erster elektronischer Veranstalter seit langer Zeit in das historische Schloss einziehen durfte. Durch das knacken dieser Nuss war ich aber auch Wegbereiter für andere Formate, die mir zu Unrecht als meine Produktionen umgehängt wurden. Vereinfacht gesagt: “Das Angebot ist gestiegen und plötzlich wollte jeder was vom Technokuchen abhaben.” Fairerweise muss man hier zwischen ideologischen & kapitalistischen Motiven unterscheiden. Man sollte auch eine klare Grenze zwischen Qualität und Quantität ziehen. Das hat mich letztendlich zu dem Entschluss gebracht, Techno im Keller fallen zu lassen.

Für mich ist die Qualität in erste Linie vom Wirtschaftsfaktor abhängig. Ein Event muss somit auch einen Mindestgewinn abwerfen, um stetig wachsen zu können. Ob die Erde fruchtbar genug ist, um zu wachsen, bestimmt die Nachfrage. Weiters ist es auch wichtig, dass man seiner wirtschaftlichen Verantwortung nachkommt und auf finanzielle Fairness achtet. Sofern es sich nicht um einen Newcomer- oder Testslot beim Line Up handelt, hat jeder DJ eine faire Gage oder Aufwandsentschädigung zu bekommen.

Deals unter Freunden sind hierbei vollkommen ok, aber wenn sich ein Grazer Local bei mir für Lau anbiedert, dann stellen sich mir die Nackenhaare auf wenn ich mir anschaue wie oft diese Person eigentlich im Monat spielt. Aber das ist jetzt eine andere Geschichte und ein allgemeines Problem in unserer Branche.

Techno im Keller war aus wirtschaftlicher Sicht somit immer ein Format, dass sich schon bei den Eintritten im hochpreisigen Segment angesiedelt hat. 12 bzw. 14€ sind schon heftig. Erst Recht in Kärnten! Aber eine qualitative Produktion hat einfach seinen Preis und ich bin auch immer auf das volle Risiko gegangen, denn erst ein ausverkauftes Haus konnte meine Fixkosten decken.

Somit ist mein Konzept einfach nicht mehr konkurrenzfähig und natürlich könnte ich jetzt den ein oder anderen finanziellen Abstrich machen, aber dann wäre es einfach nur irgendein Low-Budget-Techno-Schaß. Wie schon erwähnt, geht es um Wachstum! Wo kein Wachstum und nur verbrannte Erde ist, da ist kein Platz für mich und Techno im Keller. Am Ende entscheidet das Publikum wo es hingeht und ich füge mich dem Trend, dass der Keller einfach nicht mehr interessant ist. Höchste Zeit das Format zu Grabe zu tragen…

DER NACHRUF

Alles in allem blicke ich auf eine schöne Zeit zurück. Meine Entscheidung zum Ende, was ich bereits vorgestern auf Facebook kommuniziert habe, wurde von den meisten eher als negativ verstanden. Also nur um es klar zustellen: Ich bin weder deprimiert, noch gebe ich kampflos auf! Es liegt bereits ein langer Kampf gegen Windmühlen hinter mir. Für die Akzeptanz von Techno in der Öffentlichkeit, für mehr Veranstaltungsflächen im öffentlichen Raum und für die gelebte Freiheit innerhalb der Technokultur. Einige organisatorische Punkte habe ich bis dato im Dunkeln gelassen und jetzt kann ich es ja auch sagen, dass ich meinen Gästen immer den Rücken freigehalten habe im Sinne von Kontrollen seitens der Exekutive.

Für mich könnte der Zeitpunkt aufzuhören nicht besser sein, mit 5 ausverkauften Häusern, was somit auch einen gewissen Höhepunkt darstellt. Ein zu großer Verlust für die Szene ist es ja eh nicht, denn Techno gibts inzwischen überall zu hören…

“le techno est mort, vive le techno” – Techno im Keller 13.02.2016 – 7.02.2018

Danke an dieser Stelle an alle Künstler & Künstlerinnen, die Teil dieser für mich großartigen Kellergeschichte waren!

BEN MANSON x DEEP A CHORD x DEFOE x DESIGN x HARRY UNGER x JD DER DRINKER x KATE COCCYX x MARTA x MARTIN FREUDENTANZ x ROBERT STAHL x STÖRFAKTOR x THORMANN x WOOPECKER

Zuletzt sei noch gesagt, ich freue mich über jede Meinung zu dem Artikel! Die Kommentarbox ist unten zu finden.

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Autor: Kristof Grandits
Bildmaterial: © Techno am See